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Family time bei den Hyänen. Wer wie wir in einer kleinen Gruppe unterwegs ist, hat ganz viel Zeit für die Beobachtung.

Fotografieren auf Safari

Technik · Licht · Timing für starke Wildtierfotos

Wildtierfotografie aus dem offenen Pirschfahrzeug stellt andere Anforderungen als jede andere Fotografie. Hier erfährst du, worauf es ankommt – von der Stabilisierung bis zum richtigen Auslösezeitpunkt.

Fotografieren aus dem Fahrzeug

Wildtierfotografie auf Safari findet fast ausschliesslich aus dem stehenden Pirschfahrzeug statt. Das ist kein Nachteil, es ist eine Eigenheit, die du kennen und nutzen musst. Das offene Fahrzeug hat keine Fensterscheibe, keine Türen zwischen dir und dem Tier. Du fotografierst frei, in alle Richtungen. Komposition und Reaktionszeit hängen davon ab, wie gut du dich auf diese Situation vorbereitet hast.

 

Stabilisierung: Ein Stativ ist im Fahrzeug unpraktisch und zu langsam. Denkbar ist ein Einbein aber wir empfehlen einen Bohnensack: Er dämpft Vibrationen, passt sich jeder Ablage an und lässt sich in Sekunden positionieren. Auf Wunsch stellen wir die Füllung vor Ort zur Verfügung.

 

Kameraeinstellungen: Die Tiere bewegen sich, die anderen Menschen bewegen sich und damit das Fahrzeug, Blätter flirren im Wind und sorgen für wechselndes Licht und das oft alles gleichzeitig. Deine Einstellungen müssen sitzen, bevor das Tier den Kopf hebt. Belichtung, Autofokus-Modus und ungefährer Bildausschnitt werden in der Wartezeit vorbereitet, nicht im Moment der Aktion. > Das richtige Timing

Staub: In den privaten Naturreservaten gibt es keine Teerstrassen. Sandpisten bedeuten Staub. Deine Kamera und deine Objektive brauchen den entsprechenden Schutz. Auch Regen ist natürlich immer möglich. > Was brauche ich ausser Kamera und Zahnbürste?

Sitzposition: Alle Fotografinnen und Fotografen sitzen auf der linken Seite des Fahrzeugs. Da in Südafrika Linksverkehr herrscht, befindet sich der Beifahrersitz links, dahinter die drei Sitzreihen des Pirschfahrzeugs. So haben alle freie Sicht und Bewegungsfreiheit für ihre Fotografie. > Warum ist die Gruppengrösse entscheidend? Die Expertinnen und Experten sitzen auf der Fahrerseite und können so Hilfestellung geben oder auch mal auf ein Kameradisplay schauen. Jede dieser Plätze hat sein Vorteile. Wir werden nach jeder Pirschfahrt die Plätze rotieren, damit jede Fotografin, jeder Fotograf von allen Perspektiven profitieren kann. Ab fünf Fotografinnen und Fotografen fahren wir in zwei Fahrzeugen, wobei jedes von einer Expertin oder einem Experten begleitet wird.

Licht ist auch in der Wildtierfotografie keine Nebensache. Und im afrikanischen Busch ist es zu bestimmten Tageszeiten aussergewöhnlich.

 

Goldenes Licht: Die Stunden kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang liefern warmes, seitliches, weiches Licht. Dieses sogenannte goldene Licht modelliert Fell, Federn und Textur auf eine Art, die Mittagslicht nie kann. Es gibt Kontrast ohne Härte, Tiefe ohne harte Schatten. Kein Filter, keine Nachbearbeitung ersetzt es. Das ist neben der erhöhten Tieraktivität der Hauptgrund der Hauptgrund, warum unsere Pirschfahrten zu diesen Zeiten stattfinden. > Wie fühlt sich eine Safari an?

 

Mittagslicht: Hartes, senkrechtes Licht erzeugt tiefe Schatten unter Augen, Ohren und Körperkonturen. Szenen mit Wasser, Schattenspiel oder Silhouetten können aber auch in diesem Licht starke Bilder ergeben. In der Lodge-Zeit zwischen den Fahrten lohnt sich trotzdem die Kamera: Vögel, Reptilien, Aufnahmen von Pflanzen und anderen Details.

 

Bewölkung: Ein bedeckter Himmel diffusiert das Licht gleichmässig. Kontraste werden weicher, Farben gesättigter. Für Porträts von Tieren oft vorteilhafter als direktes Sonnenlicht.

 

Regen: Schauer sind im südafrikanischen Sommer (Oktober bis April) möglich. Mit entsprechender Vorbereitung können dramatische, stimmungsvolle Bilder erzielt werden.

 

Gegenlicht: Ein Tier gegen die aufgehende oder untergehende Sonne ergibt Silhouetten mit starker Wirkung. Es braucht bei den Kameraeinstellungen eine bewusste Entscheidung, was du zeigen willst.

Licht im Busch

Tiere in Bewegung

Ein schlafender Löwe ist verhältnismässig einfach. Zeit, die korrekte Einstellung zu finden, um ein bisschen zu experimentieren. Ein riesiger Kudubock in Bewegung ist eine andere Aufgabe. Und eine farbenfrohe Gabelracke im Flug ist das Meisterstück. Wildtierfotografie in Bewegung ist technisch anspruchsvoll aber lernbar, wenn du verstehst, wie du deine Kamera dazu bringst, das zu tun, was du erreichen willst.

 

Verschlusszeit: Bewegung einzufrieren braucht kurze Verschlusszeiten. Als Richtwert:

  • ab 1/1000 Sekunde für grosse, sich gemächlich bewegende Tiere

  • ab 1/2000 Sekunde für schnellere Bewegungen 

  • ab 1/3000 Sekunde für das Einfrieren von Flugbewegungen

 

Bei wenig Licht (starker Bewölkung, früh morgens oder spät abends) musst du die Blende öffnen oder ISO erhöhen, um diese Zeiten zu erreichen. Modernes Bildrauschen bei hohem ISO ist in der Regel akzeptabler als Bewegungsunschärfe. Wie wir die Bilder vom Rauschen befreien und noch viele weitere Tipps und Tricks bei der Bildbearbeitung lernst du zwischen den Pirschfahrten. > Bildbearbeitung

 

Autofokus-Modus: Für bewegte Motive immer kontinuierlichen Autofokus verwenden (diese Funktion heisst je nach Hersteller unterschiedlich: AF-C, AI Servo oder schlicht «kontinuierlich»). Tier anvisieren, Fokus halten, mitverfolgen. Viele aktuelle, spiegellose Kameramodelle haben zudem Motiv- und Augenerkennung. Diese Funktion lohnt es sich zu kennen und zu aktivieren.

Serienaufnahme: Bei schnellen Bewegungen Serienaufnahme nutzen. Das bedeutet viele Bilder – und viel Speicherplatz. Damit die Kapazität der Kamera nicht durch die Geschwindigkeit der Speicherkarte eingeschränkt wird, lohnt es sich beim Kauf auf deren Geschwindigkeit zu achten. > Was brauche ich ausser Kamera und Zahnbürste?

 

Mitziehen: Bei paralleler Bewegung, z. B. ein laufendes Tier, das am Fahrzeug vorbeizieht, kann es sich lohnen, die Kamera mitzuschwingen (Panning). Das Tier bleibt scharf, der Hintergrund wird unscharf und vermittelt Geschwindigkeit. Das braucht viel Übung und die Zahl an prodzierten Bilder für den Papierkorb ist gross. Aber wenn es gelingt, sind das meist spannende, dynamische Bilder, die beim Betrachten faszinieren.

Antizipation: Das stärkste Werkzeug ist nicht die Kamera, sondern das Beobachten. Wer das Verhalten eines Tieres liest, weiss eine Sekunde früher, was als nächstes passiert. > Verhalten lesen und antizipieren lernen

Das richtige Timing

In der Wildtierfotografie gibt es einen Moment, der alles andere irrelevant macht: den richtigen Auslösezeitpunkt. Zu früh – noch passiert nichts. Zu spät – der Moment ist vorbei. Genau dazwischen liegt das Bild.

 

Timing ist nicht Glück. Es ist das Ergebnis von Aufmerksamkeit, Vorbereitung und Verständnis für das Tier.

 

Vorbereitung vor der Action: Die meiste Zeit auf Safari passiert nichts, oder nichts wirklich aufregendes. Nach dem Festhalten des Moments zur Dokumentation ist die Zeit, in der du deine Kamera richtig einstellst, den Hintergrund bewertest, den Ausschnitt grob vorbereitest. Damit alles passt, wenn das Tier den Kopf hebt. > Warum ist Geduld so wichtig?

Körpersprache lesen: Tiere kündigen Bewegung an. Ein Löwe, der den Kopf hebt und die Ohren aufstellt, wird bald aufstehen. Ein Vogel, der sich auf dem Ast aufrichtet und womöglich noch Ballast abwirft ;) wird gleich fliegen. Wer diese Signale kennt, ist bereit fürs Abdrücken im perfekten Moment. > Verhalten lesen und antizipieren lernen

 

Augen: Das schärfste Detail in jedem Tierporträt sind die Augen. Fokus auf die Augen, Augen im Licht, Augen offen: Diese drei Faktoren zusammen ergeben ein Bild, das funktioniert. Fehlt eines davon, ist es selten zu retten.

 

Ohren: Ein häufig ausser Acht gelassenes Detail. Die Stellung der Ohren kann den Bildeindruck massgeblich beeinflussen. Beobachte: Stehen die Ohren gleich? «Schauen» sie dich an? Hilft die Stellung dem Ausdruck des Tieres?

Precapture: Neuere, spiegellose Kameramodelle bieten eine Precapture-Funktion. Die Kamera beginnt bereits zu puffern, wenn du den Auslöser halb durchdrückst, und speichert Bilder aus dem Moment vor dem eigentlichen Auslösen. Bei schnellen, unvorhersehbaren Bewegungen, z. B. ein auffliegender Raubvogel, ein Leopard im Sprung, kann das den Unterschied zwischen dem Bild und dem verpassten Moment bedeuten. Wer diese Funktion an seiner Kamera hat, sollte sie kennen und aktivieren.

 

Weniger ist mehr: Nicht jede Sichtung muss hundert Auslösungen produzieren. Wer bewusst auswählt – und wartet, bis eine Situation wirklich stark ist – reduziert die Zeit für Sichtung und Auswahl der gemachten Bilder. Aus Erfahrung können wir dir versichern: je geübter du bist mit Kamera und Sujets, desto gezielter wirst du abdrücken. > Warum ist für gute Fotos weniger oft mehr?

 

Nachbearbeitung als Teil des Timings: Ein gut belichtetes Bild zum richtigen Moment braucht weniger Nachbearbeitung. Aus einem technisch schlechten Bild eines perfekten Moments lässt sich am Computer häufig etwas machen. Ein technisch perfektes Bild des falschen Moments nicht.

Hast du weitere Fragen oder hast du Interesse an unseren «Expert Essentials», ein Zusammenstellung von Wissenswertem zu Safari allgemein und unseren Reisen im Speziellen? Schick uns eine E-Mail oder bestelle der umfassende PDF via Kontaktformular.

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